Die stille Kraft des Schreibens
- vor 2 Tagen
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Es gibt Phasen im Leben, da ist der Kopf voll und Worte finden keinen Platz mehr.
Gedanken kreisen, Gefühle bleiben unausgesprochen. Für andere da zu sein fällt uns oft leichter, als uns selbst zuzuhören.
Das Schreiben eines Tagebuches zum Beispiel kann genau hier ansetzen. Nicht als Pflicht, sondern als Einladung.
Ein Ort, an dem nicht alles „richtig“ sein muss. Wo Gedanken stehen dürfen, die man im Alltag wegschiebt. Studien zeigen, dass Schreiben hilft, innere Prozesse zu ordnen. Gefühle verlieren an Bedrohlichkeit, wenn sie benannt werden dürfen.
Gerade in unserem Alltag, in dem wenig Raum für Reflexion bleibt, kann Schreiben entlasten. Leise, aber wirkungsvoll.
Dabei passiert etwas Entscheidendes. Gedanken müssen nicht mehr festgehalten werden, das Innere wird nach außen verlagert. Das Nervensystem darf loslassen.
Viele Menschen spüren nach dem Schreiben mehr Klarheit, weniger Druck, mehr Ruhe und es wirkt besonders unterstützend bei emotionaler Überforderung, Erschöpfung im Familienalltag, in Beziehungsthemen, Phasen der Veränderung und dem Gefühl, sich selbst aus den Augen zu verlieren.
Nicht, weil es Lösungen liefert, sondern weil es Verständnis schafft.
Ein Tagebuch braucht keine Struktur., keine schönen Sätze, keine Regelmäßigkeit um jeden Preis.
Manchmal reicht ein Gedanke. Manchmal eine Frage. Manchmal ein Wort.
Wichtig ist nicht, wie man schreibt, sondern dass man sich diesen Raum nimmt.
Für mich ist Schreiben eng mit der Fotografie verbunden. Beides ist eine Form von Wahrnehmung. Beides hält fest, was sonst verloren geht.
Während die Fotografie Momente sichtbar macht, ordnet das Schreiben das, was darunter liegt. Gefühle, Stimmungen, Gedanken zwischen den Bildern.
Oft entstehen die klarsten Ideen. Wenn ich mir selbst näher komme, verändert sich auch mein Blick nach außen.
Schreiben bedeutet, sich selbst zuzuwenden. Nicht analytisch, sondern mit Mitgefühl. Ein Zeichen, dass auch meine Gedanken zählen.
Es schafft Raum für das, was gerade ist. Ein Ort, an dem man sich sammelt, bevor man wieder nach außen geht. Schreiben beginnt nicht mit einer Antwort, sondern mit einem leeren Blatt und der Erlaubnis, ehrlich zu sich selbst zu sein.


