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Fünfundvierzig

  • vor 2 Tagen
  • 2 Min. Lesezeit

Früher klang diese Zahl für mich nach einer Frau, die angekommen ist. Die genau weiß, wer sie ist, was sie möchte und wohin ihr Weg führt.


Heute weiß ich: So einfach ist das Leben nicht. Und vielleicht ist das auch gut so. Denn mit 45 habe ich nicht auf einmal alle Antworten gefunden. Ich habe nicht jede Unsicherheit verloren und längst nicht alle Träume verwirklicht. Aber ich habe etwas anderes gewonnen. Mich selbst. Nicht die Version von mir, die immer versucht hat, alle Erwartungen zu erfüllen. Nicht die Version, die gefallen wollte oder ständig alles richtig machen musste. Sondern die Frau, die ich heute bin. Mit all meinen Erfahrungen, mit meinen Stärken und Schwächen, mit meinen Narben, meinen Geschichten und den vielen kleinen und großen Momenten, die mich geprägt haben.


Die letzten Jahre durfte ich vieles erleben,  schöne und weniger schöne Dinge. Solche, die mich wachsen ließen und solche, auf die ich gerne verzichtet hätte. Trotzdem oder vielleicht gerade deshalb fühle ich mich heute gereift. Als Frau. Als Mama. Als Mensch.


Ich habe viel über das Leben nachgedacht. Über die Liebe, Beziehungen und uns Menschen. Und dabei habe ich mich selbst besser kennengelernt. Ich habe Menschen getroffen, die mich inspiriert haben. manche Freundschaften vertieft und erkannt, welche Menschen wirklich zu mir stehen. Gleichzeitig habe ich gelernt loszulassen. Nicht jede Verbindung ist für die Ewigkeit bestimmt und nicht alles, was einmal zu uns gepasst hat, passt auch heute noch. Ich habe gelernt, meinem Bauchgefühl zu vertrauen.


Meine Tochter wird zunehmend selbstständiger und mit jedem Schritt, den sie ihren eigenen Weg geht, gewinne auch ich ein Stück Freiheit zurück. Eine Freiheit, die ich lange nicht gespürt habe. Ich bin mutiger geworden. Ich gönne mir wieder mehr von den Dingen, die mir Freude machen. Mehr kleine Abenteuer, mehr Zeit für meine Hobbys, mehr Zeit für mich.


Natürlich hat das Leben auch seine Schattenseiten. Es gibt Situationen, die wir nicht ändern können. Dinge, die passieren. Es gibt Erfahrungen, die uns traurig machen. Doch ich habe gelernt, damit umzugehen. Ich habe gelernt, mich abzugrenzen und meinen Frieden mit Dingen zu machen, die außerhalb meines Einflusses liegen.


Heute weiß ich, wie gut es tut, die Energie auf das zu richten, was wir gestalten können. Vielleicht ist die eigentliche Schönheit des Älterwerdens nicht die Zahl auf dem Papier, sondern die Freiheit, immer mehr bei sich selbst anzukommen. Zu erkennen, was wirklich wichtig ist. Die Menschen zu schätzen, die unser Leben bereichern. Die kleinen Momente bewusst wahrzunehmen. Und sich selbst mit etwas mehr Nachsicht und Liebe zu begegnen und dankbar zu sein. Vor allem aber habe ich gelernt, dass ich mich nicht mehr aus Angst oder falscher Rücksichtnahme davon abhalten lassen möchte, das zu tun, was mir wichtig ist. Ich muss mich nicht mit anderen vergleichen. Und niemanden etwas beweisen, alles recht machen.


Ich weiß inzwischen sehr gut, was mir gut tut. Wenn ich heute in den Spiegel schaue, sehe ich nicht die Jahre, die vergangen sind. Ich sehe all das, was mich zu der Frau gemacht haben, die ich heute bin. Eine Frau, die noch immer träumt, noch immer neugierig ist. Und noch immer neue Wege entdecken möchte.


Nicht, weil ich auf einmal alles weiß. Sondern weil ich mich gerade jeden Tag noch besser kennenlerne als jemals zuvor. Und das fühlt sich richtig gut an.

 
 

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