Verheiratete Frauen
Als ich den Buchtitel Verheiratete Frauen zum ersten Mal gesehen habe, war ich ehrlich gesagt skeptisch. Der Titel klang für mich altmodisch, fast ein wenig verstaubt. Ich stellte mir einen Roman über Eheprobleme vor, über Untreue und über das klassische Rollenbild.
Wie sehr ich mich geirrt habe. Denn je weiter ich las, desto mehr wurde mir bewusst, dass dieses Buch von Christina Campos eigentlich gar nicht von der Ehe erzählt. Es erzählt von Menschen, von Beziehungen, von Freundschaften, von Nähe.
Und von der Frage, wie wir heute miteinander leben möchten.
Die Ehe hat sich verändert. Die vermeintliche Sicherheit früherer Generationen wurde romantisiert. Aber wir verändern uns. Gefühle verändern sich. Und trotzdem messen wir einer Ehe und nachfolgend unserem Hochszeitstag noch soviel Bedeutung bei. Diesem einen Tag, das Happy End, die Hochglanzfotos des strahlenden Paares , die Instagram Posts von den perfekten Flitterwochen. Die geteilten Storys am Hochzeitstag, zu denen wir unser Leben so ansehnlich verkürzen.
Die Ehe ist der Wunsch zweier Menschen, ihr Leben miteinander zu verbringen. Ein gutes Leben, ein Versprechen. Ein sehr großes Versprechen für ein ganzes Leben, dieses Für Immer. Aber ein Ring am Finger ist noch lange keine Garantie.
Beim Lesen kam bei mir die Frage auf, was eine gute Ehe eigentlich ausmacht.
Wir geloben uns an der Hochzeit uns zu lieben und zu ehren, an den guten und den schlechten Tagen, in Gesundheit und Krankheit und doch ist das für uns nur schwer einlösbar.
Wir vergessen ebenso viel Geduld und Liebe wie in unserem Hochzeitstag in unsere Ehe zu investieren und sie im Laufe der Jahre dann nicht wegen einiger schmerzhafter Erfahrungen einfach wegzuwerfen.
Heiraten ist einfach, aber eine gute Ehe zu führen eine Herausforderung. Unser Partner soll bester Freund sein, Liebhaber, Vertrauter, Elternteil, Zuhörer, Reisebegleiter, Motivator. Und manchmal sogar der Mensch, der all unsere Sehnsüchte erfüllen soll. Wir erwarten heute mehr voneinander als jede Generation zuvor.
Und warum messen wir der Idee soviel Bedeutung bei dass eine Ehe immer für die Ewigkeit sein muss? Manche Ehen sind einfach nur endlich, wie jede andere Beziehungsform. Auch darin zeichnet sich eine gute Ehe aus, dass man erkennt wann sie vorbei ist und ehrlich den Mut aufbringt dieses Kapitel würdevoll zu beenden.
Oder man ist bereit, immer wieder aufeinander zuzugehen, sich weiterzuentwickeln, miteinander zu wachsen und sich trotz aller Veränderungen die das Leben mit sich bringt niemals aus den Augen zu verlieren. Und dann zu sagen: Das haben wir gut gemacht, wir sind füreinander da.